Wir Hyperboreer

Manchmal wünschte man sich, man könne einen ersten Kontakt, ein erstes Kennenlernen später noch verorten, in ein einen Zusammenhang stellen. So ergeht es mir mit dem Blog Wir Hyperboreer des T.M. aus Bern.
Seit dem Buckligen aus Göttingen habe ich nicht mehr so kluge Gedanken, so genaue Beobachtungen, so scharfe Analyse des Zustands der Dinge gelesen. Trotz der formulierenden Schärfe und der damit verbundenen Kühle des Verstandes stelle ich mir den Autor als heiteren und glücklichen Menschen vor.
In dem Zusammenhang wird mir deutlich, daß ich den Nietzsche doch noch einmal lesen muß, denn wie sagte der alte Aufklärer: „wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, so liegt das nicht allemal am Buch“.

Hier die (vermutete) Herkunft des Blognamens „Wir Hyperboreer“:

Wir sind Hyperboreer, – wir wissen gut genug, wie abseits wir leben. […] Jenseits des Nordens, des Eises, des Todes – unser Leben, unser Glück… Wir haben das Glück entdeckt, wir wissen den Weg, wir fanden den Ausgang aus ganzen Jahrtausenden des Labyrinths. Wer fand ihn sonst? – Der moderne Mensch etwa? ‚Ich weiss nicht aus, noch ein; ich bin Alles, was nicht aus noch ein weiss‘ – seufzt der moderne Mensch… An dieser Modernität waren wir krank, – am faulen Frieden, am feigen Compromiss, an der ganzen tugendhaften Unsauberkeit des modernen Ja und Nein.

Aus Friedrich Nietzsches Der Antichrist

2 Gedanken zu „Wir Hyperboreer

  1. T.M.

    Danke. – „heiter“ sicher, „glücklich“ ist schwer zu sagen, u.a. weil jeder darunter etwas anderes versteht. Auch bei Nietzsche übrigens darf man nicht übersehen, dass Vieles, so auch das Wort „Glück“ in seinem Absatz, vorauseilend gemeint war. Er schrieb durchaus darüber im Bewusstsein für die Zukunft. Ich hab bislang „den Weg“, „den Ausgang“ noch nicht gefunden, schon gar nicht mit Sicherheit. Man sucht danach wahrscheinlich ein Leben lang und jede Aussage, jede Meinung bleibt letztendlich Frage und Suchen und Tasten im Nebel. Aber ich bin zumindest … auf den Beinen.

  2. wolfram Artikelautor

    „Glück“ stelle ich mir als den Zustand der inneren Freiheit vor. Die beginnt im Moment des Sich-Selbst-Begreifens. Kommt dann eine heitere Laune, gar Lachen hinzu, über die Welt, über sich selbst, so steht einem der Reichtum der Welt offen.
    Trotzdem sind diese Momente vergänglich wie Wellen am Strand – und genauso zuverlässig wiederkehrend.
    Ein Mittelmaß an Weltkenntnis und Intelligenz scheint mir jedoch der Erreichung dieses Zustands abträglich.

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