Aus den Notizbüchern (2018)

Mit 81 Jahren spricht die Tochter des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Höß über eine Kindheit, den Fluch des Familiennamens und ihre Liebe zum Vater, dem Massenmörder.

Nein. Man kann der alten Dame die Wahrheit jetzt nicht ersparen.

Rudolf Höß war als KZ-Kommandant ebenso engagiert wie als Vater. Er beobachtete persönlich Vergasungen und inspizierte Krematorien. Vor Massenerschießungen graute ihm. Das Vergasen befand er als besser, da so nicht nur die Empfindsamkeit seiner SS-Leute, sondern „auch die Opfer bis zum letzten Moment geschont werden konnten“. Er sah aus nächster Nähe, wie Frauen und Kinder in die Gaskammern geschickt wurden. Er schreibt in seinen Erinnerungen: „Eine Frau trat einmal im Vorbeigehen ganz nahe an mich heran und flüsterte mir zu, indem sie auf ihre vier Kinder zeigte, die sich brav angefasst hatten, um die Kleinsten über die Unebenheiten des Geländes zu führen: ‚Wie bringt ihr das bloß fertig, diese schönen lieben Kinder umzubringen? Habt ihr denn kein Herz im Leibe?‘.

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