Google+

Beim Nachdenken über Google+ drängt sich ein Gedanke auf, der bestimmt schon von klügeren Netz-Analytikern formuliert wurde.
Noch vor ein paar Jahren (gefühlt: damals – vor langer Zeit!) schimpften alle auf die „Datenkrake Google“, die angeblich alles über uns wüßte.
Nun aber fürchten die Paranoiker facebook, denn es ist schon erschütternd, was Menschen alles von sich preisgeben und Zuckerbergs Einlassungen, der das Ende der Privatsphäre proklamiert, bestätigen diese Vorbehalte.
Wenn ich aber nun Google+ mit seinen Circles anschaue, dann sehe ich den nassen Traum eines Werbestrategen wahr werden.
In facebook habe ich 150-oder-so Freunde. Das ist offenkundiger Quatsch, denn meine wichtigsten Freunde sind nicht mal auf facebook zu finden. Man wird ebenso in die Irre geführt, wenn man die Fotos anschaut, auf denen ich markiert wurde. Nett, aber eigentlich belanglos. Denn diese mangelnde Unterscheidungsfähigkeit facebooks führt eben dazu: die meisten Beiträge der User sind belanglos.
Google+ dagegen ist tatsächlich so gut gemacht, daß man wichtige Dinge mit bestimmten Menschen teilen kann – und somit auch will.
Google bekommt so die Hierarchie des Freundschaftsnetzwerkes frei Haus geliefert.
So stellt sich von neuem die Frage: Pest oder Cholera? Ich für meinen Teil bevorzuge Cholera, weil man die mit der richtigen Behandlung gut überstehen kann und ich tatsächlich nach wie vor Google weniger evil zutraue als dem Milchgesicht.
Trotzdem…

3 Gedanken zu „Google+

  1. wolfram Artikelautor

    Genau. Niemand darf unerkannt bleiben. Vorbei die Zeiten ein Buch zu kaufen und auf einer Parkbank zu lesen und über die Revolution nachzudenken, unabgelenkt von flackernden Werbebotschaften am Rande der Seite.
    Diese Entwicklung begann begann aber wenn ich’s recht bedenke bereits in den Dreißigern. Der große Propagandist ließ ja nicht umsonst einen Volksempfänger vermarkten. Da ist mir Google mit seinem Wunsch Werbung zu verkaufen und (sonst nichts) allemal lieber.

  2. Holger

    Ein spannendes Thema! Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits kann ich den Wunsch nach einem Pseudnym durchaus verstehen, andererseits finde ich es selbst doof, dass viele nicht mit ihrem wirklichen Namen für ihre Worte gerade stehen. Ich denke, eine generelle Klarnamen-Politik im Internet könnte auch die vielen sog. Shit-Storms und die vielen Trolle ein bißchen eindämmen.
    Meiner Meinung nach ist die Klarnamen-Politik von Google+ das große Plus 😉 des Netzwerks.
    Aber gut, man wird es sehen, was draus wird.
    Danke in jedem Fall für diesen Artikel!

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